Offbeat

Was steckt dahinter?

Wenn ich mit Kindern oder Erwachsenen musiziere – und damit meine ich alles, was mit Rhythmus und Groove zu tun hat – dann steht für mich in erster Linie das Gefühl und die Freude im Vordergrund!

Es ist mir nicht wichtig, dass mein Gegenüber Noten lesen kann oder die Theorie von Musik versteht, sondern dass er sich auf das Stück und das damit verbundene Gefühl einlässt. Ich höre so oft von anderen: „Ich bin nicht musikalisch!“ – Mittlerweile antworte ich immer: „Das stimmt nicht! Du hast bisher nur noch nicht den richtigen Zugang zu deiner Art von Musikmachen gefunden.“

JEDER kann Musik!

 

Wenn ich Kindern oder Erwachsenen rhythmisch begegne und z.B. ganz einfache Basic-Pattern spiele oder wenig komplexe Bodypercussion-Stücke übe, dann kommen alle nach einer gewissen Zeit zum Erfolg.

Und damit meine ich, es gelingt ALLEN, das Stück zu performen und mit Freude dabei zu sein. Es geht hier zunächst erst einmal nicht um Perfektionismus! Daran kann man später arbeiten, wenn ein Grundgerüst steht.

Denn dieser führt, meiner Meinung nach, Lernende oft von der Musik weg und es dauert meist viele Jahre, bis sie sich wieder als Schaffende aktiv an diesen Bereich herantrauen.

Ich hole jeden da ab, wo er steht, wobei sich jeder an seiner Stelle herausgefordert fühlt und dadurch schnell ein Erfolgserlebnis verspürt. Es ist wichtig den Akteur dabei immer als vollwertigen Musiker zu sehen.

Immer wieder erlebe ich, wie Notenmusiker Stücke mit Kindern erarbeiten wollen, dabei aber ganz vergessen, wie es sich anfühlt, unvoreingenommen und auf keinen Fall theoretisch und allzu technisch an ein Stück heranzugehen. So ist der Anspruch an die Kinder häufig viel zu hoch und am Ende sind beide Seiten mit der Situation überfordert und insgesamt unzufrieden.

 

Mein aktueller Schwerpunkt

…ist die Arbeit mit gehandicapten Kindern (körperlich behindert, lernschwach, hörgeschädigt, sozial-emotional auffällig). Hier habe ich immer wieder mitbekommen, wie diesen Kindern wenig bis gar nichts zugetraut wird.

Das empfinde ich als sehr schade! Denn ich habe mittlerweile mit vielen gehandicapten Kindern- und Jugendlichen musiziert, die, trotz ihrer Einschränkungen, sehr wohl den Rhythmus im Blut haben und mit entsprechender Disziplin, Ausdauer natürlich mit viel Spaß, richtig was auf die Beine gestellt haben!

Ich beobachte zudem immer wieder, mit welcher unverstellten, tiefen Freude und Echtheit diese Kinder und Jugendlichen den Musikstücken begegnen und wie selbstverständlich es oft für sie ist, sich reinzuarbeiten und durchzubeißen, damit ein eventuell bevorstehender Auftritt ein persönlicher Erfolg werden kann.

Und auch, wenn es erst einmal nicht darum geht, mit seiner öffentlichen Performance im Rahmen eines Festes oder einer Veranstaltung aufzutreten, bietet die kreative, künstlerische und musikalische Arbeit insgesamt so Vieles, was in der heutigen Welt immer häufiger zu kurz kommt:

 

• Gemeinschaft und Teambuilding – Vom Ich zum Du zum Wir:

Zunächst schafft Musik Gemeinschaft. Ein Gefühl das bei vielen Kindern und Jugendlichen häufig dringenden Förderbedarf hat.

Es bietet sich daher an, das Potential von Musik zur Gemeinschaftsbildung zu nutzen und dieses erworbene Miteinander dann für ein friedvolles Lernen und Sein im sozialen Miteinander auszubauen.

Musik fördert also langfristig soziales Lernen und ermöglich dabei eine eigene Rollenempfindung. Kinder und Jugendliche lernen Verantwortung zu übernehmen und tragen aktiv zum Erfolg einer Gemeinschaft bei.

Durch eine kontinuierliche Arbeit, die Auseinandersetzung mit gegebenen Voraussetzungen und dem Eintauchen in eine Welt voller Kreativität, Musik ohne Druck aber dafür mit viel Spaß, kann an den pädagogischen Zielen einer intakten Gemeinschaft gearbeitet werden!

 

• Respekt und Toleranz – Chancengleichheit:

Musik stellt allgemein einen Raum dar, in dem sich Menschen jeglicher kognitiver, auditiver und verbaler Verfassung auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam etwas schaffen können, ohne den Konkurrenzgedanken in den Vordergrund zu stellen. Hier geht es nicht, wie in vielen anderen Lebens- und Lernbereichen, ums Bessersein oder um das Versagen eines Einzelnen. Die Kinder und Jugendlichen haben durch den aktiven Umgang mit Musik die Möglichkeit, Zugehörigkeit und ein gemeinsames Miteinander, unabhängig von Voraussetzungen und vorangegangenen Sympathien untereinander, zu entwickeln und zu erfahren. Es entsteht somit eine Chancengleichheit aller Mitwirkender.

 

• Aktiver Spracherwerb – Verständigung ohne Sprachbarriere:

Musik und musikalische Erziehung kann bei der Arbeit mit Kindern, die wenig bis keine Sprache haben, oder unsere Sprache noch nicht sprechen, ein wunderbares Fördermittel sein. Durch die Musik kann hier ein Zugang geschaffen werden, der auf anderem Wege eventuell erst einmal erschwert oder gar versperrt ist. In vielen außerschulischen Bereichen (auch in der Arbeit mit Flüchtlingskindern, im DAZ-Unterricht…) wird Musik und RME (Rhythmisch-Musikalische-Erziehung) bereits gezielt eingesetzt, um Sprache zu erwerben und verbale Hürden zu überwinden.

Musik und Sprache liegen die gleichen Parameter (Kraft, Rhythmus, Raum, Betonung, Melodie, Klang…) zugrunde, die im Musikunterricht oder in Workshops und Rhythmus-Einheiten auf spielerische Weise geübt werden und damit dem Spracherwerb zugute kommen können.

In der Grammatik gibt es Richtig oder Falsch, in der Musik gibt es das nicht! Die Schüler werden ernst genommen und dort aufgefangen, wo sie gerade stehen und wachsen dadurch an ihrem Selbstbewusstsein.

 

• Selbstwertgefühl – ICH kann etwas schaffen:

Durch kontinuierliches und ausdauerndes Üben und einem „Bei-der-Sache-bleiben“ wird die Konzentrationsfähigkeit, das Durchhaltevermögen, sowie das Selbstbewusstsein gefördert und das Vertrauen in eigene Fähigkeiten erkannt und aufgebaut.